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Richtung Nowa Huta

Am 12.10.2012 startet der preisgekrönten Film von Dariusz Kowalski, Lehrender der Zeitbasierten Medien, in den österreichischen Kinos.

"Richtung Nowa Huta"
Bester Dokumentarfilm, Diagonale 2012
Ein Film von Dariusz Kowalski
Österreich 2012, OmU, 78 Min.
Produzent: Manfred Neuwirth Medienwerkstatt Wien

TRAILER RICHTUNG NOWA HUTA
Jugendliche drehen mit ihren Autos Kreise auf einem stillgelegten Industriegelände. Ein frischvermähltes Ehepaar lässt sich in den verfallenen Baracken einer Fabrik fotografieren. Der Touristenführer fährt Besucher mit einem Trabant durch die Stadt und erläutert ihnen Schauplätze der Auseinandersetzungen von 1989. Drei Szenen aus Dariusz Kowalskis Dokumentarfilm Richtung Nowa Huta, die dessen
Ausrichtung trefflich veranschaulichen: Gegenwart und Geschichte bilden keine zwei voneinander getrennten Schichten, sondern durchdringen und kommentieren sich wechselseitig. Der Film muss keine direkte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit suchen, denn diese wird hier wie von selbst zum Thema – als wäre sie ein Requisit des Ortes, an dem man früher oder später ohnehin vorbeikommen muss.

Kowalski verließ die polnische Stadt Nowa Huta, die heute zu Krakau gehört, als Jugendlicher auf der Flucht und kehrt nun zurück, um sich ein Bild eines Ortes zu machen, den er, wie er selbst sagt, eigentlich kaum kannte. Entsprechend nüchtern fällt sein Blick auf die Stadt aus, die als Stätte der Stahlproduktion in der Wendezeit eine bedeutende Rolle spielte. Der Filmemacher, obgleich manchmal selbst vor der Kamera zu sehen, verzichtet auf subjektive Phrasierungen, er klaubt Eindrücke, Bilder (auch alte Aufnahmen), Erinnerungen von Arbeitern, von einem Künstler auf, dazwischen sind immer wieder Alltagsmomente vom Sozialleben der Stadt zu sehen. Statt Menschen, die zur Nostalgie neigen, filmt Kowalski bevorzugt solche, die mit dem einmal Gewesenen auf ungezwungene Weise umgehen (oder deren Erinnerung noch gar nicht lang genug zurückreicht): Richtung Nowa Huta ist ein Stadtporträt, das sich im besten Sinn als zeitgenössisch versteht, ein Film über das Hier und Jetzt (und seine vielen Vorgeschichten). Dominik Kamalzadeh,
Der Standard

Die Spielfilm-Jury gab mit ihrer Entscheidung ein ähnlich überraschendes Signal wie jene für den besten Dokumentarfilm. Mit Dariusz Kowalski wurde einer jener Regisseure des Festivals prämiert, die sich erfolgreich an eine neue Form heranwagen. Kowalski war bisher für experimentelle Arbeiten bekannt, in Richtung Nowa Huta bewegt er sich nun in die polnische Stadt seiner Jugend, die ob ihrer Stahlproduktionsstätten auch für die Solidarnosc-Bewegung von 1989 wichtig war. Dominik Kamalzadeh und Isabella Reicher, Der Standard

Dariusz Kowalski

Geboren 1971 in Krakau, Polen. Lebt und arbeitet in Wien und Linz.
Studium der Visuellen Mediengestaltung an der Universität für Angewandte Kunst Wien, Prof. Weibel/Fürstner. Mitarbeiter der Medienwerkstatt Wien. Assistent an der Universität für künstlerische und Industrielle Gestaltung Linz.

Festivals
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films, 2012
Linz - Crossing Europe, 2012
Jihlava International Documentary Film Festival, 2012
36. Duisburger Filmwoche, 2012

Auszeichnungen
Bester Dokumentarfilm, Diagonale 2012

Filme
Richtung Nowa Huta, 2012
Interrogation Room, 2009
Optical Vacuum, 2008
Interstate, 2006
Elements, 2005
Luukkkaankangas-updated, 2005
Ortem, 2004

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