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BOTENSTOFF - STARRER ANTRIEB

Hjördis Münster
Kollektion 2011
Bachelorarbeit / Bachelorstudium Mode

Fahrradfahren als Trendsport mit emanzipatorischer Bedeutung für die Mode und die Gesellschaft Ende des 19. und Anfang des 21. Jahrhunderts

Das Fahrrad gehört längst zu den gängigen Verkehrsmitteln und erlebt, nicht zuletzt durch das wachsende ökologische Bewusstsein, einen neuerlichen Boom. Wir erlernen das Radeln im Kindesalter und betreiben es bis ins hohe Alter. Kaum jemand ist sich aber darüber bewusst, dass es sich beim Fahrrad um eine revolutionäre Erfindung des 19. Jahrhunderts handelt. Als erstes Individualfahrzeug, bedeutete es für viele Menschen eine nicht gekannte Unabhängigkeit. Allerdings war diese Freiheit vorerst nur Männern vorbehalten. Die Vorstellung, dass Frauen rittlings auf einem Fahrrad sitzen und sich sportlich betätigen sollten, entfachte erhebliche Diskussionen über Gesundheit, Sitte, Sexualität und nicht zuletzt die neuen Ansprüche an die Kleidung. Eng geschnürte Korsetts und bodenlange, schwere Röcke sorgten damals dafür, dass die Frauen nicht nur in ihrer häuslichen, dem Mann untergeordneten Rolle, sondern auch in ihrer Kleidung gefangen waren. Allen Widrigkeiten zum Trotz, entdeckten aber immer mehr Frauen das Vergnügen des Radelns für sich und wagten sich, zugunsten ihrer Leidenschaft allmählich sogar, die den Männern vorbehaltenen Hosen zu tragen.

Um das Ganze in einen aktuellen Kontext zu stellen, wird das Fixie-Fahren genauer betrachtet. Fixies sind Fahrräder mit nur einem Starrgang, die, ursprünglich als Bahnräder genutzt, durch die FahrradbotInnen New Yorks ihren Weg auf die Straße gefunden haben. Sie sind auf ein Minimum reduziert, haben keine Klingeln, Schutzbleche oder Lichter, und meist nicht einmal Bremsen. Diese Reduktion auf das Nötigste und das intensive Fahrgefühl haben inzwischen für eine weltweite Anhängerschaft gesorgt. Anhand des Fixie-Fahrens wird auf das Phänomen des Trendsports und die damit einhergehende Szenenbildung eingegangen.

Im Zuge der Arbeit stellt sich die Frage inwiefern das Fahrrad im 19.Jahrhundert einen emanzipatorischen Beitrag im modischen und gesellschaftlichen Sinne geleistet hat, beziehungsweise heute leisten kann.

In der Kollektion treffen Elemente aus der Fahrradmode der ersten Stunde auf Dresscodes der Fixie-Szene, im Speziellen der FahrradbotInnen. Pumphosen, Knickerbocker und kurze Hosen über Leggings bilden die Unterbekleidung. Als Basis für die Oberbekleidung ist das klassische Herrenhemd wesentlich. Hier soll, wie bei der Hose, die geschlechtliche Zuordnung aufgelöst werden. Details von Fahrradtrikots sorgen für den sportlichen Kontext. Klassische Hemdstoffe, Tweed, Jeans und Leder werden mit Jerseystoffen und Trikot kombiniert. Die Kollektion möchte bei den TrägerInnen ein Bewusstsein für die verarbeitete Geschichte bewirken und soll als Idee eines neuen Dresscodes für eine neue Szene verstanden werden.

© Hjördis Münster

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