In den freien Raum wuchernd/ausbreitend
Eginhard Helmstetter
Bericht zum Förderstipendium 2011
Bildende Kunst
In der entstandenen Serie werden in vielfältiger Weise einfache Zeitungen installativ genutzt um ortsbezogene Arbeiten zu schaffen. Der informative Charakter des Printmediums ist dabei eher unbedeutend während die Materialität des Papiers und die Eigenschaften der gebündelten Seiten in den Vordergrund treten.
Es entstand eine Reihe aus 15 Fotos sowie eine vier Filme umfassende Videodokumentation.
Die Orte welche für die Realisierungen genutzt wurden zeichnen sich dadurch aus das sie in unserem Bewusstsein eine untergeordnete Rolle spielen.
„Stiefkinder“ der Stadtplanung, Leerstände, Baubrachen, Ausfallstraßen und Bahntrassen. Jeder kennt solche Orte doch kaum jemand setzt sich ernsthaft mit ihnen auseinander. Durch ihre Unscheinbarkeit und Belanglosigkeit bilden jedoch gerade diese Orte das perfekte Umfeld für die Realisierungen.
Ohne ihnen ihre Qualitäten abzusprechen kann festgestellt werden, dass im Alltag Niemand diese Orte eines Blickes würdigt.
Umso stärker wirken sie wenn sie durch die „Wucherungen“ in Beschlag genommen werden. Im Wechselspiel von Ort und Installation werden Stimmungen erzeugt und Assoziationen geweckt. Auf den ersten Blick verraten die Bilder nichts über die Beschaffenheit des Materials mit welchem die Orte bearbeitet wurden. Die Konstrukte erinnern an einen parasitären Befall oder an einen Schwarm.
Der zweite, genauere Blick gibt Aufschluss darüber woraus die Gebilde bestehen. Und doch entschlüsselt sich die Arbeit nicht gänzlich, Fragen nach dem Urheber oder der Art und Weise wie die Befestigung vonstatten ging bleiben ungeklärt.
Einen interessanten Gegenpol zu den ungeordneten Arrangements bilden die akkurat ausgeführten „Formationen“ aus Zeitungen. Hier wirkt der Vorstoß in den Freien Raum kaum mehr willkürlich sondern wie eine Zielgerichtete Aktion.
Die „Normierung“ der Zeitungen, ihre Organisierung in „Reih und Glied“ ist wiederum ein reizvoller Widerspruch, schließlich findet ihre Montage meist ohne Genehmigung statt, zudem werden die Druckerzeugnisse durch den Künstler zweckentfremdet.
Als Ergänzung zu den Fotografien sind vier Filme entstanden. Sie transportieren ein weiteres Phänomen, welches den Arbeiten immanent ist, besser als die Fotografien:
Die Bewegungen der Seiten im Wind.
Zudem bietet der Film weitere Qualitäten, z.B. kann die Stimmung des Ortes anders übermittelt werden.