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AWARD

Förderpreis des Diözesankunstvereins Linz 2019

Der Förderpreis 2019 für Bildende Kunst geht an
Christel Kiesel de Miranda für ihre Diplomarbeit „ENDE GELÄNDE“

(Fachrichtung Plastische Konzeptionen/Keramik)

Begründung
Aufgrund der herausragenden künstlerischen Qualität hat die Jury die Entscheidung getroffen, den Förderpreis des Diözesankunstvereins an Christel Kiesel de Miranda für ihre Masterarbeit „ENDE GELÄNDE“ zu vergeben.
Der Titel der Arbeit „ENDE GELÄNDE“, eine Redewendung für „nichts geht mehr“, nimmt Bezug auf mehrere Großaktionen zivilen Ungehorsams der Kohleausstiegsbewegung, unter anderem im Lausitzer Braunkohlerevier. ENDE GELÄNDE steht für das Bild der Verwüstung, für entsiedelte Gebiete, scheinbare Mondlandschaften, für verschwundene Dörfer und Seen als geflutete Restlöcher, welche die Braunkohlegruben in der Landschaft hinterlassen haben. Vor den Bildern dieser Landschaft werden Existenz, Identität, Heimat und Arbeit in Verbindung mit menschlichem Fortschritt und den damit einhergehenden Verlusten verhandelt.
Die Masterarbeit besteht aus einer eingehenden Recherche, die auf überzeugende Weise in ein eigenständiges künstlerisches Werk mündet.

Dieser „praktische“ Teil besteht aus einer Zusammenstellung von drei Arbeiten zum „vagen Raum“, in dem die zuvor analysierte Bergbau-Folge-Landschaft künstlerisch reflektiert wird. Die Arbeit ist autobiografisch motiviert – die Preisträgerin ist im Braunkohleabbaugebiet im Ort Crinitz aufgewachsen und hat die vielfältigen ökologischen und sozialen Veränderungen unmittelbar erfahren. Besonders markante Elemente wie etwa Wasserflächen (Zitat: „Heute ist das Stückchen Wüste des Tagebaurestloches von einem 226ha großen See verschluckt. Das Wasser ist tot, der pH-Wert zu sauer, Baden verboten, man wartet auf die Rückkehr von Leben.“) werden in eigenständige Objekte aus Stahl, Stein, Gips und Textil in Verbindung mit Materialien aus dem Tagebau transformiert.
Christel Kiesel de Miranda gelingt es, die Vielschichtigkeit des Themas auf eindrückliche Weise sichtbar zu machen und neue Metaphern für ökologische Veränderungen und ihre existentiellen Auswirkungen zu schaffen. Wissenschaftliche Recherche und poetische Qualität verbinden sich in ENDE GELÄNDE auf eindrucksvolle und überzeugende Weise.

Christel Kiesel de Miranda BA. MA.,
geboren 1987 in Niederlausnitz/Brandenburg (D). 2009- 2014 absolvierte sie das Studium Industriedesign, Keramik/Glas- und Modedesign an der Burg Giebichenstein/Kunsthochschule Halle an der Saale; im Anschluss daran Masterstudium Plastische Konzeptionen/Keramik an der Kunstuniversität Linz, das sie im März 2019 mit dem Master of Arts abschloss. 2016/17 führte sie ein Erasmusstipendium an die UDK Berlin.

Die mit dem Förderpreis des Diözesankunstvereins ausgezeichnete Masterarbeit „ENDE GELÄNDE“ ist im Rahmen einer Ausstellung noch bis 19. Juli 2019 in der Linzer Galerie MAERZ zu sehen.

Jury
Dr.in Martina Gelsinger, Kunstreferat der Diözese Linz, Obfrau Diözesankunstverein Linz Univ.-Prof. Dipl.des. Frank Louis, Vizerektor, Leiter der Abteilung für Plastische Konzeptionen/Keramik, Kunstuniversität Linz
Mag. Hemma Schmutz, Direktorin Museen der Stadt Linz
Jury für Architektur:
Mag. Franz Koppelstätter, Leitung Architekturforum Linz Univ.-Prof. in Dr.in Anna Minta, Katholische Privat-Universität Linz

www.dkv-linz.at/DKV-Preis/Presseaussendung.pdf

diereferentin.servus.at/ende-gelaende

© Kiesel de Miranda