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Mission Statement

Möglichkeitssinn
Die Außenwelt nimmt immer mehr Einfluss auf das Studienprogramm und versucht in eine Richtung zu zielen, wo die Studierenden als „perfekte Arbeitnehmer“ ausgebildet werden. Aber wenn du zufrieden bist mit der existierenden Welt da draußen und ihrer wahrscheinlichen Zukunft, wieso besuchst du dann eine Universität? Da kannst du besser einen Job suchen und da draußen mitmachen. Wenn du zweifelst an der existierenden Welt und Ideen hast für eine mögliche Zukunft, dann ist die Universität der richtige Ort für dich, um schlauer zu werden in deinen Versuchen auf dem Weg zu einer besseren Welt. Studieren bei raum&designstrategien handelt von einer möglichen Zukunft, dafür bietet die Kunstuniversität den Raum. In „Der Mann ohne Eigenschaften“ beschreibt Robert Musil dies wie folgt: „Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, dass er seine Daseinsberechtigung hat, dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. [...]" So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. [...] 

Improvisation Modus 2
Beim Lehren an einer visionären Lehreinrichtung (wie die Kunstuniversität Linz es ist) kann das Unterrichtsziel nichts anderes sein, als die Suche nach einer möglichen Zukunft. Nicht als Science Fiction, auch nicht als Blaupause für eine bessere Welt, sondern als agiler Gestaltungsprozess. Die Welt mit, bald 9 Milliarden Menschen, weitgehend spezialisierte Individuen, dicht aufeinander gepackt in Megastädten, verlangt agile Prozesse, bei denen die eigene Verantwortung immer wichtiger wird. Nicht nur, um am Rande der Gesellschaft zu überleben, sondern auch, um Respekt in unserer Gesellschaft zu verdienen, der nicht länger selbstverständlich mit dem gesellschaftlichen Status einhergeht. Schon seit dem Postmodernismus wissen wir, dass die Wahrheit nicht existiert; der weltweite Zugang zu oft widersprüchlichem Wissen, vor allem im Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt, ist hierfür ein weiterer Beweis. Wir sind zu einem Prozess des kontinuierlichen Zweifelns, Veränderns und Verbesserns verurteilt. Daher basiert mein Unterricht auf Improvisation. Damit werden Wirklichkeit und Möglichkeit ausgelotet.
Das beginnt beim Unterrichtsraum, in dem verfremdende Elemente die Formalität durchbrechen. Der Raum muss durchdrungen sein von Möglichkeiten, die zur Antizipation einladen oder sogar dazu zwingen. Ziel des improvisierenden Unterrichts ist es, die Produktion von urbaner Realität aufzunehmen, umzuschalten auf Improvisationsmodus 2 und selbst Raumproduzent zu werden, indem man erlernte Regeln und Handlungen in einen antizipierenden Kontext platziert. Das heißt nicht, dass man von Planung absieht, sondern diese zu überschreiben versucht. Ein permanentes Experiment, eine fortwährende Navigationsübung, die manchmal mehr und manchmal weniger krisenbeständig ist. 

Geschichte
Helmuth Gsöllpointner gründete 1955 die Abteilung für Metallplastik in den Lehrwerkstätten der VOEST Alpine AG in Linz und leitete diese bis 1985. Er war ab 1973 Leiter der Meisterklasse Metall an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz und von 1977 bis 1981 Rektor der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, heute Kunstuniversität Linz, und wurde 2001 emeritiert. 

„Ganz gleich, wo das ist, ob das jetzt als Lehrer ist, oder ob das als Leiter einer Gruppe ist, der man vorsteht. Einer muss da sein, der in den Leuten ein Feuer anzündet, und schauen, dass das Feuer brennt. Anzünden, das war mir immer das Wichtigste.“ (Helmuth Gsöllpointner, im Interview von Gabriele Kepplinger, 15. Dezember 2001) 

Nach der Metall-Meisterklasse von Helmuth Gsöllpointner übernahm 2001 die Architektin Elsa Prochazka den Studiengang und formte ihn zu raum&designstrategien.

Unter der Leitung des „Indie“- Stadtplaners Ton Matton gibt es seit 2014 space&designSTRATEGIE Sedition3.

* Um den Gedanken von Michel Foucault aufzugreifen, verweisen wir darauf, dass bei näherer Betrachtung eine differenziertere Begriffsbestimmung immer auch Definitionshoheit und Geltungsmacht einfordert, der wir im Sinne eines öffnenden Möglichkeitsraums abschwören. Nur soviel sei gesagt: Mit Raum und Design als Hauptbestandteil des Studiengangs liegt der Schwerpunkt in der 3. edition auf dem STRATEGISCHEN. 

Trendy Pragmatismus
Die wichtigste Vorraussetzung für eine Strategie ist ein Ziel, damit man weiß, was man erreichen will. Das ist nicht so sehr eine Antwort auf die Frage eines Auftraggebers, doch vor allem eine Frage an sich selbst. Und damit wird die Ausbildung auch politisch. Bei raum&designstrategien ist die Studienzeit dazu da, dass Du herausfindest, wie Du denkst, was Du meinst und wer Du bist. Damit schließt der Studiengang direkt bei dem traditionellen Kunstunterricht an, woraus er auch entstanden ist. Die theoretischen Auseinandersetzungen, an der Wurzel einer Strategie, werden in ein pragmatisches Handeln umgesetzt. Das, was funktioniert, wird zur Wahrheit. Der Ausdruck Pragmatismus (von griech. πρᾶγμα pragma „Handlung“, „Sache“) bezeichnet umgangssprachlich ein Verhalten, das sich nach bekannten praktischen Gegebenheiten richtet, wodurch das praktische Handeln über die theoretische Vernunft gestellt wird. Im Pragmatismus bemisst sich die Wahrheit einer Theorie an ihrem praktischen Erfolg, weshalb pragmatisches Handeln nicht an unveränderliche Prinzipien gebunden ist. Im philosophischen Diskurs hat der Pragmatismus als Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts vor allem eine radikale Erneuerung der liberalen Demokratie im Sinn.

Kopf und Körper
Traditionsgemäß bekommen alle Bachelor Studierenden eine Ausbildung in den Metallwerkstätten der Voestalpine AG. Die Nähe zur Metallwerkstatt ist unsere Basis, denn eine Mischung aus Kopf und Körper ist uns sehr wichtig. Der Inhalt der Arbeiten basiert auf intellektuellen Voraussetzungen, die durch den Einsatz des Körpers eine Form erlangen.. Nicht unwichtig im Kopf und Körper ist die Relativierung und Reflexion. Was eignet sich dafür besser als ein gutes Essen, das Körper und Geister ernährt. 

Küchenkonversatorien
Im Zentrum der unkonventionellen Vortragsreihe steht wie immer das gemeinsame Essen. Das „zusammen essen“ hat eine große Bedeutung in der Ausbildung von raum&designstrategien. Das gemeinsame Kochen stellt nicht nur ein Band zwischen Studierenden und Lehrenden her, sondern bietet die Möglichkeit, die vortragenden Gäste zu Gastgebern werden zu lassen. Die Aufgabe eines jeden Gastgebers ist es, durch ein gutes Essen ideale Voraussetzungen für ein Gespräch zu schaffen. Den Beamer tauschen die Teilnehmer gegen E-Herd und Kochlöffel. Projektionsfläche ist der Esstisch, auf dem das Werk nicht nur präsentiert, sondern zugleich gegessen und anschließend bei Espresso und Wein verdaut wird. Der Blick über die Schulter in den Kochtopf ist zugleich ein Einblick in die Arbeitsweise der Kochenden.

Improvisation
Innerhalb von raum&designstrategien ist Improvisation gestaltgebend. Somit ist ein gewisses Maß an Improvisationstalent sinnvoll. Anders wie zB in der traditionellen Raumplanung, wo das Organisieren das Ziel ist, ist bei raum&designstrategien das erste Ziel das Geplante zu „boykottieren“ und zu durchbrechen, um die Beteiligten aus ihrer Komfortzone heraus zu holen. Wie auch in der Musik, verlangt die Fähigkeit zum Improvisieren, dass man das Fach, das Instrument beherrscht, um dann die Freiheit des Improvisierens zu finden und von gelernten Regeln abzuweichen. Improvisation in raum&designstrategien ist damit eine der Prinzipien in der Strategie. 

Gestaltung
Um im politischen Raum als Gestalter zu handeln, nutzen und remixen wir pragmatisch die Werkzeuge und Ausdrucksformen der gestaltgebenden Professionen Kunst, Architektur und Design. Eine gewisse Liebe für Schönheit bis ins Detail ist uns nicht fremd. Die Formgebung und Materialisierung von Objekten, die Konstruktion und eine präzise Ausführung sind Voraussetzungen für das Handwerk in einer Werkstatt. 

Identität
Untergebracht im Institut Raum und Design, zusammen mit Industriedesignern, Architekten, Fashion-Technologen und Urbanisten, könnte man vermuten raum&designstrategien ist Interior-Design. Aber das wäre ein Irrtum. Vielmehr geht es um öffentlichen Raum, um gesellschaftskritische Auseinandersetzungen, basierend auf Zweifel. Erst wenn man sich über die eigenen Positionen und seine Ziele klar ist, kann man Gestaltung strategisch einsetzen. Das macht den Akt der Formgebung politisch. Mit diesem Ansatz liegt raum&designstrategien irgendwo zwischen künstlerischem Aktionismus, Objekt Design, Raum Gestaltung, Stadt Planung und Society Shape.

Leitung
Univ.-Prof. Ton Matton

Kontakt
Gertraud Kliment
MO bis DO 8.00 bis 12.00 Uhr
strategies.office@ufg.at
T: +43 (0) 732 7898 3393
F: +43 (0) 732 7898 83393

Kunstuniversität Linz
Abteilung raum&designstrategien
Hauptplatz 6
4020 Linz | Austria