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Profilbildende Schwerpunkte für die Zukunft

Die Kunstuniversität Linz wird sich als ein Ort des unbeschränkten, mutigen und visionären Denkens sowie als kritische Experimentierzone künstlerisch, gestalterisch und forschend profilieren. Mit dem klaren Willen zum qualitativen wie quantitativen Wachstum bekennt sich die Universität zu vier profilbildenden Schwerpunkten (Auszug aus dem Entwicklungsplan bis 2027):

Kunst: Zeitgenössisch und zukünftig
Contemporary Art and Beyond

Postdigitale Kulturen
Postdigital Cultures

Nachhaltige und kritische Gestaltung
Sustainable and Critical Design

Transformative Forschung und Bildung
Transformative Research and Education

Kunst: Zeitgenössisch und zukünftig

Die Kunst besitzt die Fähigkeit, gesellschaftlichen Zuständen und Veränderungen Ausdruck zu verleihen. Künstlerische Arbeiten geben dem noch Formlosen und noch nicht Darstellbaren eine Gestalt und können dadurch Seismografen sein, die frühzeitig Veränderungen von Lebenswelten erfahrbar und kommunizierbar machen. Insofern ist Kunst, egal ob sie Gegenwärtiges oder sogar Vergangenes thematisiert und egal in welchem Medium sie zum Ausdruck kommt, eine Spekulation über die Gegenwart und mögliche Zukünfte. Aufgrund dieser Schwellenstellung – zwischen Gegenwartswahrnehmung und Zukunftsantizipation – ist jedoch nicht vorhersehbar, welche künstlerische Haltung bedeutsam werden wird. Daher bedarf es an einer Kunstuniversität der Förderung der ganzen Breite möglicher künstlerischer Ansätze und Strategien, damit die Künste des Zukünftigen florieren und zukünftige Künste entstehen können.

Das Entstehen solcher Schwellenwahrnehmungen ist ein nicht planbarer oder vorhersagbarer Prozess; ein Prozess, in dem das Gelingen künstlerischer Kreation die glückliche Ausnahme und das Scheitern der fruchtbare Regelfall ist. Wohl aber können Bedingungen geschaffen werden, in denen sich spekulative, künstlerische Prozesse optimal vollziehen können. Die Voraussetzungen hierfür werden in den kommenden Jahren verbessert werden. Es sollen die Produktionsbedingungen in den Ateliers, Werkstätten, Studios und Laboren ausgebaut und erweitert werden, die Reflexionsfähigkeit durch eine enge Verschränkung mit den Kultur- und Medienwissenschaften gestärkt, die Internationalisierung von Studierenden und Lehrenden vorangetrieben und die Präsenz von Künstler*innen mit möglichst vielfältigen künstlerischen Haltungen ausgebaut werden.

Gleichzeitig werden die Studien- und Organisationsstrukturen so geändert, dass in den Curricula Freiräume für selbstbestimmtes, interdisziplinäres, medienübergreifendes Arbeiten geschaffen werden. Studierende müssen ermutigt und gestärkt werden, individuelle Zugänge zur Kunst zu erproben, um einen individuellen künstlerischen Ausdruck entwickeln zu können.

Auch im Bereich der Pädagog*innenbildung ist die Erfahrung von individuell motivierten, ergebnisoffenen, experimentellen künstlerischen und gestalterischen Prozessen essenziell, weil diese Erfahrung durch die Gestaltungsfächer in die Schule und damit in die Gesellschaft getragen wird.

Die gestalterischen Bereiche der Kunstuniversität zeichnen sich ebenfalls durch projektbasiertes, freies, künstlerisches und experimentelles Arbeiten aus. Der Akt der Gestaltung erfordert hierbei immer neue Methoden und Modelle des Handelns, um Lösungen für zeitgenössische Fragen zu entwickeln und gleichzeitig zukunftsorientiert zu bleiben. Gestaltungsprozesse münden in Antworten, Entwürfen und Lösungsansätzen, die in der Gesellschaft unmittelbar wirksam werden und Gesellschaft verändern können.

Die Kunstuniversität Linz wird sich in den nächsten Jahren noch stärker als Ort der international sichtbaren künstlerischen Produktion und Reflexion positionieren. Sie fokussiert Kunst als Form der kritischen Auseinandersetzung und des radikalen, mutigen und überdisziplinären Neudenkens von Gegenwarts- und Zukunftsfragen. Alle Aktivitäten in Lehre, EEK sowie in der Forschung sind mit der künstlerischen bzw. ge- stalterischen Produktion und deren kritischen Reflexion verbunden.

Die Berufungspolitik der nächsten Jahre wird von diesem künstlerischen Schwerpunkt geprägt sein. Zum einen sollen durch die Erhöhung der Zahl der Professuren und des fest angestellten Mittelbaus Stellen geschaffen werden, die neben der Lehre und in enger Verbindung mit ihr Projekte der EEK, der Gestaltung und der Forschung forcieren. Zum anderen soll durch die Berufung von international gefragten und sichtbaren Künstler*innenpersönlichkeiten dieser Schwerpunkt strategisch gestärkt werden.

Die Lehre an unserer Universität stößt Bildungsprozesse an und bereitet Studierende auf die Mitgestaltung einer sich drastisch ändernden Welt vor. Um permanente Veränderung und Innovation in der Lehre stärker zu etablieren, wird die eigene künstlerische und gestalterische Arbeit (bzw. Forschungstätigkeit) der Lehrenden in den kommenden Jahren in allen Kurien besonders gefördert.

Als Beispiel sei hier die neu zu schaffende Professur für Plastik und Environment genannt. Ebenso neue Felder sollen die Professur für künstlerische Fotografie, die Professur für Grafik (Bildende Kunst), die (Gast-)Professur für Performance, die Professur für Bildende Kunst, die (Gast-)Professur für Kulturen des Ausstellens und kuratorische Praxis, die Professur für Kunst und Gestaltung im Lehramt, die Professur für Kreative Robotik sowie jene für Bildgebende Verfahren zukunftsweisend eröffnen. Die Nachbesetzungen einer Professur im Bereich Medien- kunst sowie zweier Professuren für Bildhauerei – Transmedialer Raum und einer Professur für Malerei sollen diesen deutlich künstlerischen Schwerpunkt zukunftsweisend stärken.

Postdigitale Kulturen

Die letzten Jahre, nicht zuletzt die Pandemie-Ereignisse 2020, haben drastisch vor Augen geführt, dass Digitalität unumkehrbar ist und sich in sehr viele Lebensbereiche eingeschrieben hat, und das weltweit, wenn auch unter sehr verschiedenen Bedingungen und mit hochgradig asymmetrischen Effekten. Zum einen ist digitale Kommunikation eine weltumspannende conditio sine qua non, zum anderen ist die Herstellung, Verteilung und Entsorgung von digitalen Geräten ein Paradebeispiel global ungleicher Verteilung von Kosten und Nutzen. Durch die Forcierung von Künstlicher Intelligenz in Forschung und Industrie haben zudem algorithmische Optimierungs- und Kontrollmechanismen unauffällig im Alltag und in großen Gebieten der Produktion Platz genommen. Hinzu kommen ganz neue Skalierungen von Sicherheitsfragen, von Überwachungsmöglichkeiten, aber auch von Möglichkeiten der bottom-up-Produktion von Maschinen, Software und Medienprodukten. Immer deutlicher, gerade auch durch die Ad-hoc-Steigerung der Erfahrungen mit Homeoffice und Distanzlehre, tritt zu Tage, dass Verhältnisse wie die von digital und analog, von Distanz und Nähe, von Automatisierung und spontaner Kommunikation / Kreation Kernfragen eines wachen Umgangs mit digitalen Technologien sein werden.

Digitale Technologien bilden heute jedoch auch eine wichtige Basis für die Erweiterung existierender Designmethoden. Sie ermöglichen das Gestalten komplexer, informierter Materialien, Formen und Reaktionen und eröffnen neuartige Produktionsmethoden, welche gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen mit sich bringen, zum Beispiel durch die Erneuerung traditioneller Prozesse oder neuer Wege einer lokalen Her- stellung. Im Schwerpunkt „Postdigitale Kulturen“ nähert sich die Kunstuniversität Linz diesen Kernfragen kritisch analysierend, experimentierend, nachhaltig gestaltend.

Die Universität hat über Jahrzehnte große Expertise im Bereich der digitalen und analogen Medien aufgebaut und vielfältige Zugänge entwickelt, die sich von künstlerischen Realisierungen von Medien- und Interfacekunst über Kreative Robotik bis hin zur Malerei als Medium der Reflexion des Digitalen erstreckt. Gearbeitet wird projektbasiert und im Team mit verschiedenen Medienformaten und Materialien. Der Bezug auf Mediengeschichte, kulturelle und politische Dynamiken und transmediale Strategien stärkt den eigenständigen Umgang mit visuellen, auditiven und multisensorischen Ausdrucksformen, Produktions- und Präsentationsverfahren.

An der Schnittstelle von Medienkritik und Szenarioforschung soll zukünftig das Co.Lab Büro für nützliche Fiktionen die gesamte Spannbreite digitaler Kulturen, ihre Alternativen und Möglichkeiten, in hybriden und öffentlichkeitswirksamen Formaten befragen und erforschen. Zusätzlich zum erfolgreichen viersemestrigen wissenschaftlich-künstlerischen Master Medienkultur- und Kunsttheorien wird sich ein neuer Master Art & Technology (Arbeitstitel) gegenwärtigen und zukünftigen digitalen Kulturtechniken im weiten und transdisziplinären Feld ästhe- tischer, kultureller, urbaner, sozialer und politischer Aushandlungs- und Gestaltungsprozesse widmen.

Von zentraler Bedeutung im Sinne von open science wird die eigenständige Entwicklung nicht-proprietärer Tools und Infrastrukturen für die künstlerische Arbeit, für die Lehre und die Kommunikation sein, ggf. mit geeigneten Kooperationspartner*innen.

Bestehende Stärkefelder, wie etwa Interface Cultures, werden ausgebaut, zudem wird eine Professur Akustische Ökologie und ein Studien- angebot in diesem Bereich geschaffen werden. Das Masterstudium Postdigitaler Instrumentenbau soll in Kooperation mit der Anton Bruckner Privatuniversität eingerichtet werden. All dies ist eine Antwort auf ein schon lange bestehendes Interesse für den innovativen Sektor der (digitalen) Klangkunst.

Das Gebiet der Medien- und Bildkompetenz, also der visuellen Kommunikation in ihrer ganzen Breite und Tiefe, wird mit einer Professur für Bildgebende Verfahren verstärkt werden. Der Bereich Medienkunst soll mit einer Professur im Bereich Mediengestaltung nachbesetzt und im Hinblick auf Lehramtsstudien weiterentwickelt werden.

In zahlreichen Kooperationen mit universitären und außeruniversitären Partner*innen wie dem VALIE EXPORT Center (die namensgebende Künstlerin ist bekanntermaßen eine Pionierin digitaler Medienkunst), der Ars Electronica, dem Futurelab, dem LENTOS Kunstmuseum oder der Medienwerkstatt Wien werden künstlerische und wissenschaftliche Projekte in den Bereichen Bild und Ton, Interaktivität, Grafik- und Kommunikationsdesign, analoge und digitale Fotografie, Film / Video, performative Medien und zeitbasierte Kunst durchgeführt.

Auch für die gestaltenden Disziplinen (Architektur, Raum und Design) bietet die digitale Transformation große Potenziale. Das Wechselspiel zwischen digital / virtuell und materiell / sinnlich ebenso wie nachhaltig-innovative Materialforschung sind zentrale Inhalte in Lehre und Forschung bei Fashion & Technology, Industrial Design und Architektur. Das Potenzial, das sich aus dem Zusammenspiel traditioneller Technologien und Materialien mit aktuellen und zukunftsweisenden Entwicklungen aus diesen Bereichen ergibt, wird gestärkt und weiterentwickelt. Mit entsprechenden Laboren wird die (Grundlagen-)Forschung ausgebaut. Diese Labore stehen in Zukunft auch für Kooperationen verstärkt zur Verfügung.

Das Labor für Kreative Robotik wird seinen Tätigkeitsschwerpunkt in der interdisziplinären, anwendungsorientierten Entwicklung von inno- vativen Roboterprozessen an den Schnittstellen von Kunst / Gestaltung / Wissenschaft / KMU / Industrie deutlich ausbauen.

Last, but not least muss betont werden, dass die Rahmenbedingungen und Anforderungen der Digitalisierung aktuell und zukünftig eine immense Herausforderung für den gesamten Universitätsbetrieb darstellen. Neben den zusätzlichen personellen und infrastrukturellen Ressourcen für die Weiterentwicklung der oben dargestellten künstlerischen, gestalterischen und wissenschaftlichen Fächer sollen digitale Kompetenzen flächendeckend als Studieninhalte vermittelt werden. Zusätzliche Budgets sind insbesondere für die Digitalisierung der Ver- waltung, ihrer Abläufe und Strukturen vonnöten. Auch die Zugänglichmachung von künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten in open access, etwa durch offene Repositorien, wird Mitteleinsatz nach sich ziehen. Um nachhaltigen, ressourcenschonenden Technologien den Vor- zug geben zu können, sind substanzielle Investitionen notwendig.

Nachhaltige und kritische Gestaltung

Kein Thema hat in den letzten Jahren ähnlich bewegt wie das der Nachhaltigkeit. Verantwortungsvolles Handeln bedeutet, Veränderungen kritisch zu reflektieren und sie als Katalysatoren zu nutzen, um Schaffens- und Wissensprozesse anzuregen sowie Artefakte neu zu gestalten. Die Aufgaben einer Kunstuniversität, die aus der Dringlichkeit ökologischer und damit zusammenhängender politischer Herausforderungen erwachsen, sind vielfältig. Nachhaltigkeit beinhaltet in all ihren Formen eine kritisch-reflexive Haltung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt. Das betrifft das Nachdenken und Handeln im Alltag, in akademischen Kontexten mit Blick auf künstlerisches und gestaltendes Tun ebenso wie die wissenschaftlichen Debatten. Die Kunstuniversität Linz sieht es als ihre Aufgabe, die ökologischen, sozialen, technologischen und ökonomischen Dimensionen von Nachhaltigkeit in den Fokus zu rücken, auf Ambivalenzen innerhalb des Nachhaltigkeitsdiskurses hinzuweisen und Begrifflichkeiten zu schärfen. Als Querschnittsmaterie ist Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Kunstuniversität Linz – in der Verwaltung ebenso wie in den Fachabteilungen – zentral und hat auch in den kommenden Jahren eine hohe Priorität.

Wir als Universität tragen hohe gesellschaftliche Verantwortung. Zentral für unser Selbstverständnis ist daher, die sozialen Dimensionen von Nachhaltigkeit zu reflektieren und zu gestalten. Soziale Inklusion, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität sind zentrale Werte der Univer- sität. So geht es bereits bei den Bewerbungsverfahren und Zulassungsprüfungen darum, künftig besonders jene Personen zu erreichen, die aufgrund von biografischen, sozialen oder kulturellen Hintergründen bisher nur erschwert Zugang zu Kunstuniversitäten hatten. In allen Be- reichen des universitären Handelns werden unterschiedlichste Maßnahmen zur Sensibilisierung initiiert, um das Bewusstsein für Nachhaltig- keit zu bilden und best practices zu entwickeln.

Sozial, ökologisch, technologisch oder ökonomisch nachhaltige Lösungen können nicht in der Isolation einzelner Disziplinen entwickelt wer- den, sondern fordern das Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven. Infolgedessen wird die Querdurchlässigkeit zwischen einzelnen Abteilungen und Instituten weiter ausgebaut. Aktuelle Überlegungen dazu beinhalten zum Beispiel ein Orientierungssemester, das es Studierenden ermöglichen soll, ihren Fokus von Anfang an interdisziplinär anzulegen. Zudem wird ein postgradualer Master für Performance und partizipative Kunst angedacht. Auch die Beschäftigung mit postkolonialer Theorie, politischer Ökologie und Wirtschaftstheorie wird unerlässlich sein, um Gestaltung verantwortungsvoll neu zu positionieren.

Unabhängig von bestehenden Werkstätten ist die Schaffung von interdisziplinären, fach- und abteilungsübergreifenden Co.Labs geplant, die eine neue Verbindung von EEK, Gestaltung, Wissenstransfer und Forschung darstellen und für die gesamte Universität wichtige Anknüp- fungspunkte bieten.

Ausgehend von vorhandenen Stärkefeldern wie zum Beispiel BASEhabitat, dem Lehrgang überholz, Fashion & Technology, Industrial Design, raum&designstrategien, Projekten wie kulturtankstelle oder dem Forschungsprojekt Digitalwerk am Labor für Kreative Robotik werden an der Kunstuniversität Linz weiterhin gesellschaftliche Prozesse analysiert und kritisch hinterfragt. Ziel ist es, ein Bewusstsein für ökologische und soziale Herausforderungen unserer Zeit zu schaffen, an nachhaltigen, innovativen Lösungen und Prozessen zu forschen und damit auch in die Industrie hineinzuwirken.

Personell wird dieser Schwerpunkt durch die Schaffung folgender neuer Professuren, die alle mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit verbunden werden, untermauert werden: Professur für Hochbau und Professur für Architekturtheorie, Professur für Modedesign und Professur für Designtheorie, Professur für Wahrnehmungsforschung im Design und Professur für virtuelle und augmentierte Designmethoden sowie eine (Gast-) Professur für Gestaltung: Technik.Textil. Im Bereich der Bildenden Kunst soll die neue Professur für Plastik und Environment geschaffen werden. Des Weiteren soll eine künstlerische oder gestalterische Professur an der thematischen Schnittstelle Diversität, Care Work und Nachhaltigkeit ausdefiniert und eingerichtet werden.

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung im künstlerischen, gestalterischen und wissenschaftlichen Bereich ist die Universität als Gesamt- organisation der nachhaltigen Nutzung von vorhandenen Ressourcen verpflichtet. Sie wird in allen Bereichen nachhaltiges Handeln fördern, sich an überregionalen Nachhaltigkeitsnetzwerken beteiligen, soziale Inklusion, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität in allen Bereichen fordern und fördern und ihren ökologischen Fußabdruck verringern.

Transformative Forschung und Bildung 

In der Gegenwart sehen wir, wie sich ein neuer Wissenstypus durchsetzt, der sich stark von traditionellen Wissens- und Wissenschaftstypen unterscheidet. Während die Wissenschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hierarchisch, disziplinär und homogenisierend war und die Trennung zwischen wissenschaftlichen, künstlerischen und gesellschaftlichen Akteur*innen vorsah, sehen wir nun sowohl in den Künsten als auch in der Gestaltung und in den Wissenschaften eine viel stärkere Durchdringung der Sphären. Sie operieren heutzutage problemorien- tiert, projektlogisch, transdisziplinär, kooperativ und stark gesellschaftlich eingebunden. Auch sie sind auf je unterschiedliche Art und Weise Teil von gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Sei es durch ihr experimentelles, erprobendes und iteratives Vorgehen (vgl. Kapitel 1.4.1. im Entwicklungsplan bis 2027) oder durch die Bereitstellung von Expertise in öffentlichen Debatten. Die Gestaltung war hingegen immer schon an der Schnittstelle zwischen Konzept und Anwendung positioniert.

Mit diesem Schwerpunkt bekennt sich die Kunstuniversität Linz zum weiteren Aufbau von Kunst, Gestaltung und Forschung im Sinne einer Transformation von Gesellschaft und eines partizipativen Vermittlungsansatzes. Verantwortung übernimmt sie auch und gerade angesichts der Geschichte ihrer Gebäude. Wir erachten die kontinuierliche und aktive Auseinandersetzung mit der Zeit des NS-Regimes und mit dem Verhältnis von Ästhetik und Politik (der Erinnerung) als essenziell. Transformation kann nur im Eingedenken vergangener Verheerungen gedacht und gestaltet werden.

Die bisherige strategische Positionierung im Bereich künstlerischer, wissenschaftlicher Designforschung wird fortgeführt, durch vorhandene und zusätzliche Ressourcen dynamisch vorangetrieben und auf allen Stufen (Studium, PhD, Postdoc) forciert werden. Gerade die Vermittlung von Basisqualifikationen und Methodenkenntnis für die wissenschaftliche, künstlerische und die Designforschung schon im Regelstudium muss ein wichtiges Anliegen der nächsten Jahre sein. In den bestehenden Zentren und Instituten ebenso wie in den neu zu schaffenden interdisziplinären Laboren (Co.Labs) soll sie unabhängig von konkreten Anwendungshintergründen, aber mit gesellschaftlichen Prozessen im Blick betrieben werden. Partizipative Methoden kommen dabei ebenso zum Einsatz wie frei experimentierende, praxisbasierte und gesellschafts- und kulturanalytische (practice-based research in and through the arts) Ansätze, ergänzt um Kooperationen mit wichtigen regionalen wie internationalen Partnerinstitutionen. Insbesondere auch Kooperationen mit dem globalen Süden sollen weiter ausgebaut werden, um die Forschungsansätze geografisch und intellektuell zu verbreitern.

Entsprechend der dritten Mission sollen die Beiträge von wissenschaftlicher, künstlerischer Forschung und Designforschung zu wichtigen gesellschaftlichen Zukunftsfragen in einer vielfältigen Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt werden. Gleichzeitig ist die Schaffung von neuen (Rückzugs-)Orten wichtig, um sich den Herausforderungen im globalen Kontext bei gleichzeitiger lokaler Situierung stellen zu können.

Ihrem gesellschaftlichen Auftrag kommt die Kunstuniversität Linz in besonderer Weise im Rahmen ihrer Pädagog*innenbildung nach. In der Überzeugung, dass Kunstpädagog*innen dort ausgebildet werden sollen, wo auch Künstler*innen und Gestalter*innen ihre akademische Heimat haben, wird sich die Kunstuniversität Linz als verantwortliche Trägerin der künstlerischen Gestaltungsfächer im Rahmen des Verbundes Cluster Mitte zur Pädagog*innenbildung positionieren und qualitätssichernd aktiv sein. Die Studierbarkeit und Vereinfachung der Studienadministration stehen ebenso im Fokus wie die Etablierung eines Bachelors of Arts and Education bzw. eines Masters of Arts and Education. Forschende Beiträge zum fachwissenschaftlichen Diskurs stehen ebenso auf der Agenda wie die Aus- und Weiterbildungsangebote für Pädagog*innen.

Im Bereich Gestaltung: Technik.Textil soll zusätzlich eine befristete (Gast-)Professur sowie zusätzlich eine Professur Bildnerische Erziehung geschaffen werden. Lehramtsstudierende sollen, österreichweit einzigartig, auch Expertise in den Gestaltungsfächern für Kinder unter zehn Jahren unter dem Stichwort „Kreativitätsbildung im Kindes- und Jugendalter“ erlangen. Auch der Schwellenbereich zwischen Primar- und Sekundarstufe I soll fokussiert werden. Dies ist mit einer Professur umzusetzen, das Angebot steht dann nicht nur den Lehramtsstudent*innen der Kunstuniversität, sondern auch Studierenden mit abgeschlossenem Bachelor der Elementarpädagogik bzw. Primarpädagogik, die sich auf Kreativitätsbildung in den Gestaltungsfächern spezialisieren, zur Verfügung. Die Aktivitäten im Bereich der Kunstpädagog*innenbildung umfassen sowohl Forschung, EEK, Lehre und Berufsfähigkeit als auch die third mission. Die Kunstuniversität trägt hier eine besondere Verantwortung für die nächsten Generationen.

Die vier Schwerpunkte sind Fortentwicklungen aus den drei bisher bestehenden Profilsäulen, akzentuieren den hohen Anspruch der Kunstuniversität Linz, zukunftsorientiert zu handeln und sich inhaltlich und ressourcenmäßig den sozialen, ökologischen, technologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen von Globalisierung und Digitalisierung zu stellen.